Ali Sigaroudi arbeitet gleichzeitig für Oviva Med, Aprioris, in einer Walk-in Klinik, hält Vorlesungen an der UZH und ist selbständig tätig - ein Karrieremodell, das er bewusst gewählt hat. Im HR&Doctors-Webinar sprach er über das, was viele Ärzt:innen denken, aber selten sagen und zeigt, wie HR dies zum Vorteil nutzen kann.
Eine 100%-Stelle ist nicht automatisch 100% effektiv.
Wer die Komfortzone erreicht hat, leistet oft weniger, als er könnte, ohne es sich einzugestehen. Ali nutzt genau diesen Moment: Er reduziert, sucht die nächste Challenge, stapelt Rollen.
Das Ergebnis? Mehr Fokus in jeder Rolle, mehr Motivation, mehr Lernen. Für HR heisst das: Mitarbeitende, die leise unzufrieden wirken, suchen vielleicht nicht den Ausgang, sondern eine neue Herausforderung.
Ali ist kommunikativ. Viele seiner Kolleg:innen sind es nicht. Besonders in der Schweiz, wo Zurückhaltung Kultur ist, werden Entscheide zu bleiben oder zu gehen oft im Stillen getroffen – bis die Kündigung schon fertig ist.
Sein Tipp an HR: Zuvorkommen, nicht reagieren. Die Gedanken kommen bei fast allen – "Darf ich das ansprechen? Ist das hier überhaupt möglich?" Eine proaktive Signalisierung seitens des Arbeitgebers ("Wir wissen, dass ihr Euch weiterentwickeln wollt – sprecht uns an") senkt die Hemmschwelle enorm.
Arbeitgeber haben Ali nicht immer direkt proaktiv auf diesem Weg unterstützt. Aber die Arbeitgeber, die für ihn funktionierten, hatten eines gemeinsam: Flexibilität und Vertrauen.
Sein Vorgehen: erst liefern, Vertrauen aufbauen, dann den Spielraum neu aushandeln. Arbeitgeber, die nicht in Schwarz und Weiss denken, sondern offen waren, solche neuen Arbeitsmodelle auszutesten, haben auf diese Weise gewonnen und dürfen weiterhin auf bereits eingearbeitete, gute Mitarbeitende zählen.
Was hängen bleibt: das Konkrete und das Menschliche. Ein freier Tag für ein Hilfsprojekt. Echter Home-Office-Anspruch. Ein Kaffee statt Bewerbungsformular. Zeig, was euch wirklich unterscheidet – nicht, was jeder schreibt.
Wer das akzeptiert, verliert weniger. Ärzt:innen, die neue Challenges suchen, müssen nicht gehen, wenn der Arbeitgeber mitdenkt. Reduktion statt Kündigung. Neue Projekte intern statt extern. Die Frage ist nicht "wie halte ich sie?" sondern "wie machen wir das gemeinsam möglich?"
Angestellt oder selbständig, 100% oder weg. Das sind konstruierte Grenzen. Covid hat gezeigt, wie schnell sich vermeintlich unumstössliche Regeln aufheben lassen (Stichwort: Telemedizin). Was wäre möglich, wenn ihr es einfach mal ausprobiert?