Warum entscheiden sich Ärzt:innen für eine Stelle oder bewusst dagegen? In unserem Medicus Webinar zeigte Mariana Marti, Ärztin und Coach für Ärztinnen, welche Muster sie in der Karriereplanung und Stellensuche immer wieder beobachtet und warum genau darin eine grosse Chance für Arbeitgeber liegt.
In der Praxis lassen sich zwei Gruppen klar unterscheiden.
Eine kleinere Gruppe weiss früh, wohin sie beruflich möchte. Diese Ärzt:innen bewerben sich oft 1.5 bis 2.5 Jahre im Voraus, teilweise auch mit Blindbewerbungen und finden meist einfacher eine passende Stelle.
Die Mehrheit ist unsicher – bei der Facharztwahl oder auch danach. Die zentrale Herausforderung: Den eigenen Weg finden, ohne sich von Erwartungen des Umfelds oder klassischen Karrierebildern treiben zu lassen.
Bis zum Ende von Studium und Weiterbildung ist vieles vorgegeben. Danach entsteht plötzlich Entscheidungsfreiheit und damit auch Entscheidungsdruck.
Oft ist das „Drumherum“ mindestens so entscheidend für die berufliche Zufriedenheit wie das Fachgebiet selbst. Arbeitsbedingungen, Entwicklungsmöglichkeiten, eine wertschätzende Teamkultur und eine gut organisierte Alltagsstruktur machen den Unterschied und schaffen Raum für motiviertes, erfülltes Arbeiten.
In mehreren Fachgebieten könnte man glücklich werden – wenn das Umfeld stimmt.
Gerade die unsichere Mehrheit wählt ihre Stelle nicht nur nach Fachgebiet.
Entscheidend sind:
Wie wird gearbeitet?
Wie kann ich mich entwickeln?
Wie fühlt sich der Alltag an?
Wie planbar ist meine Zukunft?
Hier liegt die grosse Chance für Arbeitgeber. Nicht über das Fachgebiet zu differenzieren, sondern über Rahmenbedingungen, die Orientierung geben.
Ein wiederkehrendes Thema in der Karriereplanung ist der richtige Zeitpunkt der Stellensuche:
Sehr früh (1.5–2.5 Jahre vorher): Scheinbare Planungssicherheit für Arbeitgeber, aber grosse Unsicherheit für Ärzt:innen
Sehr kurzfristig: Wunschstelle oft nicht verfügbar
0.5–1.5 Jahre Vorlauf: Besonders schwierig und frustrierend
Viele Ärzt:innen bleiben deshalb dort, wo sie bereits gearbeitet haben - nicht aus Überzeugung, sondern aus Mangel an Alternativen.
Transparenter kommunizieren, wann Stellen typischerweise besetzt sind
Frühzeitig Perspektiven aufzeigen
Voraussetzungen und Entwicklungsmöglichkeiten klar benennen
Das spart Zeit auf beiden Seiten.
Viele Ärzt:innen wünschen sich:
Teilzeitmodelle
Respekt vor arbeitsfreier Zeit
Transparente Planung
Gleichbehandlung
Entscheidend ist nicht, dass Flexibilität erwähnt wird, sondern wie konkret sie gelebt wird.
Ärzt:innen wollen:
medizinisch sinnvoll arbeiten
ihr Wissen anwenden und vertiefen
lernen und Feedback erhalten
Perspektiven sehen
Das braucht:
gute Organisation
begrenzten Administrationsaufwand
funktionierende Prozesse
gezielte Teaching-Formate
Für viele wichtiger als das Fachgebiet:
offene Lern- und Fehlerkultur
Kollegialität
verlässliche Zusammenarbeit
Wer einmal ein gutes Team erlebt hat, sucht gezielt danach – oder bleibt genau deshalb.
Man kann Menschen nicht binden, aber man kann Bedingungen schaffen, in denen sie bleiben wollen.
Karriereentscheidungen von Ärztinnen und Ärzten sind komplex aber nachvollziehbar. Arbeitgeber, die verstehen, wie diese Entscheidungen entstehen, können sich gezielt positionieren.
Nicht nur über das Fachgebiet, sondern vor allem über das, was den Arbeitsalltag wirklich prägt.