Laila Fröhlich hat in Deutschland Medizin studiert und ist danach in die Schweiz gekommen, wo sie unter anderem beim Luzerner Kantonsspital sowie beim USZ als Assistenzärztin gearbeitet hat. Ende 2025 hat sie die Plattform mdai.ch ins Leben gerufen, auf welcher es um Künstliche Intelligenz in der Ärzteschaft geht. Wir hatten Laila im Interview und haben mehr über die Hintergründe und Ziele der Plattform erfahren.
Es war vor allem die Erkenntnis, dass ein grosser Teil meiner Arbeit aus Aufgaben besteht, die wenig zur Patientenversorgung gehören, und dabei enorm viel Zeit beanspruchen. Man ist oft mehr mit Koordination und administrativen Hürden beschäftigt als mit den Menschen. Als die erste KI-Welle in die Spitäler schwappte, sah ich das enorme Potenzial – nicht nur für Effizienz, sondern auch als Lernwerkzeug. Gleichzeitig bemerkte ich die Überforderung: Wir würden gern diese Tools kennenlernen, haben aber schlichtweg keine Zeit, uns damit auseinanderzusetzen.
Ich möchte eine Brücke schlagen. Es gibt hunderte Tools da draussen, und man verliert leicht den Überblick. mdai.ch soll Orientierung in dieser wachsenden KI-Landschaft bieten, indem ich klinisch relevante Lösungen sichtbar und einordbar mache. Am Ende geht es darum, Zeit zurückzugewinnen – für Patient:innen und für das eigene Wohlbefinden.
Zwischen Ärztinnen und Ärzten auf der einen Seite und Innovatorinnen, Entwicklern und Tech-Leuten auf der anderen. Oft entstehen Lösungen an den Bedürfnissen der Klinik vorbei. Ich möchte diese Welten stärker verbinden, damit wirklich relevante Tools entstehen.
Das Bild ist gemischt: Eine kleinere Gruppe beschäftigt sich bereits aktiv damit, während dem Grossteil im klinischen Alltag schlicht Zeit, Orientierung und oft auch Vertrauen fehlen Gleichzeitig bestehen weiterhin Unsicherheiten und teils Skepsis, besonders in Bezug auf Datenschutz.
Erfahrungen. Deshalb finde ich es wichtig, konkrete Beispiele auf dem Platform sichtbar zu machen. Wenn man sieht, dass Kolleginnen und Kollegen KI sinnvoll einsetzen und gute Resultate erzielen, sinkt die Hemmschwelle.
Der Fokus ist klar klinisch und patientenorientiert. Es geht z.B. nicht einfach darum, Tools zu listen, sondern darum, welche im Alltag wirklich helfen. Die Plattform ist aus konkreten Problemen entstanden, die ich selbst erlebt habe.
Zeit und Ressourcen sind die grössten Herausforderungen. Klinisch aktiv zu bleiben, ist für mich Voraussetzung, weil der Patientenkontakt zentral ist und weil man über KI im medizinischen Alltag nur fundiert schreiben kann, wenn man diesen Alltag selbst kennt. Gleichzeitig wächst der Markt für medizinische KI-Tools schneller als die Evidenz. Viele Lösungen sind technisch beeindruckend, aber klinisch noch nicht ausreichend erprobt. Genau in dieser Lücke zwischen Versprechen und Praxistauglichkeit arbeitet mdai.ch und möchte in einem noch jungen, sich wandelnden Feld eine verlässliche Stimme sein.
Ich möchte mdai.ch über ein reines Tool-Verzeichnis hinaus weiterentwickeln und Ärztinnen, Ärzte sowie Praxen beim Einstieg in KI konkret unterstützen. Ziel ist es, den klinischen Alltag zu entlasten, mehr Raum für Patient:innen zu schaffen und die Zusammenarbeit mit Spitälern bei konkreten Anwendungsfällen auszubauen.¨
Das hängt vom Kontext ab. Für den Einstieg empfehle ich allgemeine LLMs wie ChatGPT, Claude oder Perplexity, um ein Gefühl für Recherche und Strukturierung zu bekommen. Als Tipp: fragt die KI, welche Automatisierungen sie für euch vorschlägt, um effizienter zu arbeiten oder zu lernen. Wer diese Grundlagen versteht, kann den Mehrwert spezialisierter medizinischer Tools viel besser einschätzen.
Ein einzelnes Lieblingstool könnte ich nicht nennen, weil der Nutzen stark vom jeweiligen Einsatzbereich abhängt. Aktuell schätze ich besonders die Amboss-KI zum Lernen und zur gezielten Wissensvertiefung. Zu Beginn der Weiterbildung hätte ich aber auch ein Tool wie TREAGE für Austrittsberichte und andere klinische Dokumente sehr hilfreich gefunden.
Vor allem klarere Rahmenbedingungen – bei Datenschutz, Evidenzanforderungen und Haftung. Viele gute Lösungen scheitern heute nicht an der Technologie, sondern an langsamen Prozessen und fehlenden Möglichkeiten, sie im klinischen Alltag zu testen – oft auch deshalb, weil Ärztinnen, Ärzte und Pflegepersonal zu spät eingebunden werden und Innovation an den realen Bedürfnissen vorbeigeht. Entscheidend ist nicht weniger Sorgfalt, sondern eine Struktur, die sichere und sinnvolle Innovation überhaupt erst möglich macht.